Online-Koranunterricht im Einzelunterricht kostet im deutschsprachigen Raum meist zwischen 5 und 25 Euro pro Einheit. Die große Spanne kommt nicht von der Qualität, sondern vor allem von zwei Dingen: wie lang eine Einheit ist und in welcher Sprache unterrichtet wird.
Wer Preise vergleichen will, muss deshalb zuerst wissen, was er vergleicht.
Der häufigste Vergleichsfehler
Ein Angebot „ab 6 €” und eines „ab 15 €” sagen für sich genommen nichts. Erst mit diesen drei Angaben wird daraus eine Zahl, die man nebeneinanderlegen kann:
- Wie lange dauert eine Einheit? 20, 30, 45 oder 60 Minuten – der Unterschied verdoppelt oder halbiert den Preis.
- Einzelunterricht oder Gruppe? Und wenn Gruppe: wie viele Teilnehmer?
- In welcher Sprache wird erklärt?
Rechne alles auf Preis pro 30 Minuten Einzelunterricht um. Dann siehst du, wo du wirklich stehst.
Die fünf Faktoren, die den Preis bestimmen
1. Die Unterrichtssprache
Das ist der größte Hebel. Angebote, bei denen auf Arabisch oder Englisch erklärt wird, sind deutlich günstiger, weil die Lehrkräfte im Ausland arbeiten und der Markt groß ist.
Deutschsprachiger Unterricht kostet mehr. Der Grund ist einfach: es gibt wenige Lehrkräfte, die sowohl den Qurʾān unterrichten als auch auf Deutsch erklären können.
Ob sich das lohnt, hängt vom Schüler ab. Ein Erwachsener mit guten Englischkenntnissen kommt auf Englisch zurecht. Ein achtjähriges Kind, das gerade lesen lernt, versteht eine Erklärung zur Zungenstellung auf Deutsch – auf Englisch verliert es den Faden.
2. Dauer und Häufigkeit der Einheiten
Kürzere Einheiten sind pro Minute oft teurer, weil Vor- und Nachbereitung gleich bleiben. Dafür sind sie lernwirksamer: zweimal 30 Minuten pro Woche bringen bei Lesenlernen mehr als einmal 60.
Wer also nach dem günstigsten Stundenpreis sucht, kauft am Ende oft langsameren Fortschritt.
3. Einzelunterricht oder Gruppe
Im Gruppenunterricht sinkt der Preis pro Person, aber auch die Sprechzeit. Beim Koranlesen ist das relevanter als bei anderen Fächern, weil praktisch der gesamte Lernfortschritt daran hängt, dass jemand die Aussprache hört und korrigiert.
Faustregel: Gruppe funktioniert gut bei Theorie und Wiederholung, schlecht bei den ersten Leseschritten.
4. Qualifikation der Lehrkraft
Eine Ijāza, langjährige Unterrichtserfahrung oder eine pädagogische Ausbildung schlagen sich im Preis nieder – zu Recht.
Wichtig: Diese Angaben sollten nachprüfbar sein. Ein Anbieter, der „zertifizierte Lehrer” schreibt, ohne zu sagen, wer wann was zertifiziert hat, hat die Aussage nicht belegt.
5. Vertragsform
Monatlich kündbar ist teurer als ein Halbjahres- oder Jahrespaket. Das ist normal und in Ordnung.
Am Anfang ist der flexible Weg trotzdem meist der bessere. Ob Lehrkraft, Uhrzeit und Rhythmus passen, weiß man erst nach ein paar Wochen.
Woran du ein unseriöses Angebot erkennst
Der Preis steht nirgends. Wenn du erst ein Formular ausfüllen musst, um zu erfahren, was es kostet, ist das ein Verkaufstrichter, keine Preisangabe.
Erfundene Zahlen. „Über 1500 zufriedene Kunden”, „mehr als 20 Jahre Erfahrung”, Bewertungen ohne Namen und ohne Datum. Solche Angaben lassen sich nicht überprüfen und werden oft einfach behauptet.
Kein vollständiges Impressum. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist eine Anbieterkennzeichnung Pflicht. Fehlt sie oder steht dort nur eine E-Mail-Adresse, weißt du nicht, mit wem du einen Vertrag schließt – und an wen du dich wendest, wenn etwas schiefgeht.
Zahlungsdaten für die kostenlose Probestunde. Dafür gibt es keinen Grund.
Vorkasse für lange Zeiträume gleich zu Beginn. Seriöse Anbieter lassen dich erst ankommen.
Automatische Verlängerung im Kleingedruckten. Schau nach, wie und bis wann gekündigt werden kann, bevor du buchst.
Was du für dein Geld erwarten darfst
Unabhängig vom Preis sollte Folgendes selbstverständlich sein:
- ein fester Termin, nicht wechselnde Zeiten je nach Verfügbarkeit
- dieselbe Lehrkraft über längere Zeit – Beziehung und Kenntnis des Lernstands sind beim Lesenlernen entscheidend
- Korrektur der Aussprache, nicht nur Vorlesen und Nachsprechen
- eine Rückmeldung, wo der Schüler steht und was als Nächstes kommt
- Klarheit darüber, was passiert, wenn eine Stunde ausfällt
Das Letzte wird oft übersehen und ärgert später am meisten. Frag vorher, wie Ausfälle auf beiden Seiten gehandhabt werden.
Was der Preis nicht verrät
Die teuerste Stunde nützt nichts, wenn sie unregelmäßig stattfindet. Und eine günstige Stunde bei jemandem, der geduldig korrigiert und das Kind mag, bringt mehr als eine teure bei jemandem, der Seiten abarbeitet.
Deshalb ist die Probestunde wichtiger als jede Preistabelle. Sie kostet nichts und beantwortet die Frage, die keine Zahl beantwortet: passt das?